Prinzenallee 33, 13359 Berlin

Geschichte des Gebäudes

Das Gebäude des Ballhaus Prinzenallee in der Prinzenallee 33 im Berliner Wedding ist eins von nur fünf verbliebenen Ballhäusern in Berlin und geschichtsträchtiger als man allgemeinhin vermuten mag. Der Restaurantbesitzer Hermann Schmidt erweiterte im Jahre 1903 seine Gaststätte um einen Festsaal für 300 Personen und ließ hiermit die wechselvolle Geschichte dieses Anbaus im Hinterhof der Prinzenallee 33 beginnen.

 Sein Schmidt´scher Ballsaal erhielt aufgrund der verglasten Zugangsveranda den Namen Glaskasten und wurde rasch zu einem kulturellen Mittelpunkt für die proletarische Bevölkerung. Neben günstigem Essen gab es in dem Lokal von Hermann Schmidt, im Untergeschoss eine Kegelbahn, darüber feierten Droschkenkutscher, Laubenpieper und Hochzeitsgesellschaften ihre Feste. Die Räumlichkeiten beherbergten Ausstellungen, Proben und Auftritte von Theater- und Gesangsvereinen.

In den 1920er Jahren wurde der Saal vermehrt von der KPD für ihre Versammlungen genutzt. Auch kommunistische Schulungen wurden hier abgehalten. Herrn Schmidt konnte man jedoch nicht als Mitglied einer bestimmten Gruppierung bezeichnen, für ihn zählte lediglich das Geld, welches er mit den Mieteinnahmen gewann. Und so hatte er auch nichts dagegen, dass die Nazis ab 1931 versuchten, den Glaskasten künftig für sich zu nutzen. Das aber ließen die KPD-Anhänger nicht zu, immer wieder kam es in der Prinzenallee zu Schlägereien mit der SA.

 1933 stürmte die SA dann den Glaskasten und mit der Machtübernahme Hitlers gelang es den Nationalsozialisten auch, die Kontrolle über den Saal zu bekommen. Die SA wandelte ihn zu einem Sturmlokal um, die Kegelbahn im Keller wurde in den folgenden Monaten als Folterstätte für Hunderte von Sozialdemokraten und Kommunisten genutzt, einige von ihnen starben an den Misshandlungen. Dies war die Zeit des wilden KZ Glaskasten“.


Während des Kriegs wurde dann zwar das Vorderhaus zerstört, der Glaskasten selber aber blieb erhalten. Ab 1945 betrieben die französischen Alliierten dort ein Kriegsgefangenenlager. Bis in die 1950er Jahre hinein nutze die St. Petrus-Gemeinde den Saal für ihre Gottesdienste, da ihre Kirche in der Bellermannstraße durch Bombenangriffe im Krieg teilweise zerstört worden war.


In den 1960er Jahren wurde das Wohnhaus mit Gaststätte wiedererrichtet und das Ballhaus wird seitdem wieder kulturell genutzt, erst für Theateraufführungen, dann als Tanzlokal. 1983 diente es als Diskothek „Top Secret“, in der es auch Konzerte von Rockgruppen gab. Danach folgte jahrelanger Leerstand.

Die Mitte der 1990-er Jahre mit zwei Millionen Euro Senatsgeldern sanierten historischen Räumlichkeiten in der Prinzenallee 33 sind seit vielen Jahren ein beliebter Veranstaltungsort und Probenraum für Künstler. Die Sanierung hatten Jugendliche im Rahmen von Beschäftigungs- und Qualifizierungsmaßnahmen des Ausbildungsbetriebes Zukunftsbau GmbH und ABM-Helfer durchgeführt. Der Saal ist jedoch nicht mehr original erhalten, nur das prächtige Innenportal mit den koketten Putten wurde wiederhergestellt. Im Anschluss wurde das Haus an einen Investor verkauft.

Im Jahr 2000 bespielte das Varieté Chamäleon einige Monate lang den Saal, leider oft vor wenig Publikum. Im Anschluss nutzte ein afrikanischer Kulturverein kurzfristig den Saal.