Nameless
Ein Audio-Walk im Stadtraum — Start und Ziel im Studio L
Es gibt keine erste Geste. Alles, was wir für unser Eigenes halten, haben wir irgendwann gesehen — im Kino, bei anderen, in Bildern, die längst vor uns da waren. NAMELESS nimmt diesen Verdacht ernst bis zur letzten Konsequenz und verlegt ihn dorthin, wo er am wenigsten auffällt: auf die Straße. Über Kopfhörer wird das Publikum Zeuge einer Existenz, die vollständig aus Zitaten besteht. Die Frage des Abends ist keine biografische, sondern eine philosophische: Wenn alles, was wir Ich nennen, geliehen ist — wo beginnt dann der Mensch, und wo hört das Bild auf?
NAMELESS ist eine Versuchsanordnung über die Nachahmung als Grundfigur des Subjekts. Ausgangspunkt ist eine radikale These: Der Mensch findet nicht heraus, wer er ist, sondern kopiert, was er für ein Leben hält — zunächst aus den geschlossenen Bedeutungssystemen des klassischen Erzählkinos, später aus den brüchigen, offenen Formen des Autorenkinos. Dieser Wechsel der ästhetischen Referenz ist zugleich ein Wechsel des Weltverhältnisses: von der Gewissheit zur Ambiguität, von der Pose zur Leere. Indem die Arbeit diese Bewegung in den realen Stadtraum verlegt, verschiebt sich auch die Position der Zuschauer:innen. Sie sind nicht mehr vor einer Bühne versammelt, sondern selbst im Bild — T eil einer Szene, die keine sichere Grenze mehr zur Wirklichkeit zieht. Die Dramaturgie arbeitet mit der Nichtunterscheidbarkeit von Inszenierung und Alltag und macht das Zusehen selbst zum Gegenstand der Befragung.
Ticketverkauf startet in Kürze
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